Christian

Als an jenem Tag die Tür an meinem Studio aufging und eine Bekannte den Laden betrat hätte ich mir nie träumen lassen, dass dies der Beginn einer tollen Erfahrung in meinem Beruf als Tattookünstler sein würde. Nachdem wir uns begrüßt hatten meinte Sie, ob ich einen Freund von Ihr vielleicht auch tätowieren könnte. "Klar," gab ich zur Antwort, "soll bei mir anrufen oder vorbeikommen damit wir das Motiv besprechen  und gleich einen Termin festlegen könne. "Nun das wird nicht gehen," meinte darauf hin meine Bekannte, "mein Freund sitzt im Rollstuhl und ist vom Hals abwärts gelähmt und ist ständig unter ärtztlicher Beobachtung und hat eine Vollzeitbetreuerin"

"Wow", da war ich erstmal sprachlos, als Sie mich dann fragte, ob es denn möglich wäre, dass ich zu Christian, so heißt er auch heimkommen könnte und Ihn dort beraten und eventuell auch tättowieren könnte musste ich nicht zweimal überlegen und sagte sofort zu.

Als wir uns dann einige Tage später auf den Weg zu Christian machten erzählte Sie mir, dass Christian in seinem 18ten Lebensjahr einen Betriebunfall hatte und seitdem vom Hals ab gelähmt ist und im Rollstuhl sitzen würde. Schon als Jugenlicher wäre sein größter Wunsch ein Tattoo gewesen und dann kam dieser schreckliche Unfall, aber der Traum eines Tattoo's ist geblieben obwohl er ein Tattoo nach dem Unfall nie für möglich gehalten hatte.

Bei meiner ersten Begegnung mit Christian war ich tief beeindruckt von diesem Menschen, mit dieser Behinderung sich doch noch seinen Traum zu erfüllen. Als Motiv hatte er sich einen Rollstuhl mit Flammen ausgesucht, den zu zeichnen ich Ihm versprach und wir legten dann noch den Termin fest, der an einem Sonntag sein musste, da dann alle zur Gesundheitsüberwachung nötigen Personen Zeit haben und vor Ort sein würden.

Als ich dann an diesem Sonntag bei Christian ankam und Ihm sein Tattoomotiv zeigte war er sofort hell auf begeistert und konnte es kaum erwarten bis wir loslegten.

Um Christian zu tätowieren wurde er in sein Bett gelegt und wir konnten beginnen. Zuerst wurde das Motiv mit Hilfe einer Schablone auf seinen Oberarm gepaust und dann ca. 15 Minuten trocknen gelassen. Wir mussten behutsam vorgehen, da diese Sitzung für Christian sehr anstrengend sein würde. Danach wurden die Konturen gezogen und am Schluss gab es noch Farbe für die Flammen am Rollstuhl. Wir legten regelmäßig Pausen ein den man sah es Christian schon an, dass Ihn das sehr anstrengte. Nach ca. eineinhalb Stunden war das Tattoo fertig gestochen.

Da lag er nun auf seinem Bett mit dem ersten Tattoo seines Lebens, ein Traum war in Erfüllung gegangen. Er war überglücklich und vorallem sehr dankbar, dass alle Beteiligten Ihm seinen allergrößten Traum halfen zu verwirklichen.

Für mich als Tattookünstler war dies eine einzigartige Erfahrung, einem Menschen mit einem Tattoo, dass vielleicht für mich nichts besonders ist, eine solche Freude durch meine Arbeit zu bereiten.

Und Christian, der plant schon sein nächstes Tattoo, ich werde es Ihm stechen...und wieder an einem Sonntag.

Hespe

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